als ob es Dein letzter wäre.
Diesen vermeintlich guten Ratschlag hört und liest man ja ganz schön oft. Und auf den ersten Blick klingt er ja auch wohlmeinend und achtsam. Aber ich muss sagen – ich habe ihn noch nie gemocht und er hat in mir schon immer ein unschönes Gefühl aufblubbern lassen. Bislang habe ich darüber aber noch nie intensiver nachgedacht.
Das habe ich jetzt mal nachgeholt. Nicht, weil es dafür jetzt einen konkreten Anlass gegeben hätte – lediglich, weil er mir letztens mal wieder vor die Augen gehüpft kam und sich die unguten Emotionen dazu wieder einstellten. Daraufhin habe ich mir nämlich mal die „Mühe“ gemacht und mir so einen letzten Tag vorgestellt: Also, man wacht morgens auf, räkelt sich und erfährt dann (wie auch immer – ob dank eines kleinen Männchens mit Kapuzenumhang und Sense in der Hand, das neben dem Bett steht, per innerer Eingebung oder weil man am Abend zuvor plötzlich zur Eintagsfliege mutiert ist…): dies wird Dein letzter Tag! Da ist ja sozusagen die Aufforderung geknüpft: Mach was draus! Verschwende jetzt keine Minute mehr, sondern erledige noch alles, was getan werden muss.
Und genau da liegt das Problem! Denn entgegen dem eigentlichen Sinn des oben genannten Satzes, dass man genießen und sich auf die schönen Dinge des Lebens konzentrieren sollte, würde man (vielleicht auch nur ich?!?) an seinem wissentlich letzten Tag doch bestimmt richtig doll in Stress geraten. Um alles wichtige zu regeln, um sich möglichst von allen Personen des Herzens gebührend zu verabschieden, um jedes notwendige Gespräch noch zu führen, um mit möglichst viel Frieden in der Seele gehen zu können.
Wüsste man also von seinem letzten Tag, würde man exakt das Gegenteil von dem machen, was gemeint ist: man würde eben nicht nur an sich denken, sich selber ganz viel Gutes tun, die eigene To-do-Bucket-Liste abfeiern und dabei eben keinen Gedanken an morgen verschwenden – sondern man würde in meiner Vorstellung den letzten eigenen Tag mit einem waschechten Zeitproblem und genauso gestresst mal hundert verbringen – und das klingt ganz schön traurig.

Glücklicherweise wissen wir alle im Vorfeld nicht, wann unser letzter Tag tatsächlich sein wird. Aufgrund meiner oben aufgeführten Gedanken dazu bin ich darüber echt froh.
Was aber bleibt, ist die Sinnhaftigkeit in dem Bemühen, sich immer wieder Oasen des Glücks zu schaffen, ganz im Hier und im Jetzt zu sein, sich der wunderbaren Dinge und Personen in seinem Leben bewusst zu sein und der Liebe und der Dankbarkeit ganz viel Raum zu geben. Dann darf der letzte Tag einfach kommen, wenn die Zeit dafür gekommen ist…
Da bin ich ganz deiner Meinung – ich muss eher immer Mal wieder die absolute Priorität einer einzuhaltenden Pause lernen. So löst dieser Satz in mir Stress aus.
ich mag lieber das Zitat, „ein Tag wie hundert Tage“, oder so ähnlich….es bedeutet für mich, dass ein Tag so viel Erlebbares wie eben auch eine längere Zeit enthalten kann. Wenn für mich ein Abschied ansteht (und darin bin ich idR echt schlecht), sind meine Sinne am letzten Tag extrem geschärft, und nehmen alles um mich herum viel wacher auf.
Ich denke beide Sätze könnten das Gleiche meinen, nur die Worte gefallen mir beim 1.auch nicht.
🌸liebe Grüße Sabine
Da ticken wir wohl recht ähnlich, liebe Sabine! Auch beim Thema Abschied… und auch beim Thema „Gönn Dir mal eine Pause!“ 🙂
Liebe Uta, auch ich kenne natürlich diesen Spruch, werde aber nie etwas für mich Unangenehmes, Unschönes (wie eine noch dringlich abzuarbeitende erdrückende To Do-Liste) dabei empfinden. Ich sah und sehe es tatsächlich gelassen und froh so, wie Du es sehr zutreffend im letzten Absatz beschreibst: ganz bewusst im Hier und Jetzt zu sein, wunderbaren Momenten und Personen begegnen zu dürfen, tief in meinem Herzen geliebte verstorbene Menschen bei mir zu tragen, auch meine Macken, gemachten Fehler und auch schlimme dunkle Erfahrungen zu akzeptieren, aber vor allem Liebe und Dankbarkeit ganz ganz viel Raum zu geben.
Liebe Gabi – schön, dass Du den Satz so verstehen kannst, wie er vermeintlich auch gemeint ist. Ich denke, letztendlich geht es eben bei uns allen darum, mehr qualitativ hochwertige Zeit für sich selber zu finden und zu genießen… und welcher Satz einem da als Erinnerung dient, ist eben sehr individuell. 🙂