Ein intensives Fest des Lebens

Meine Mutter – das hatte ich hier ja schon mal erzählt – hat ja eine Frau mehr als bewundert und geliebt: die Worpsweder Malerin Paula Modersohn-Becker. Jede verfügbare Biographie hat die gelesen und ins Bücherregal gestellt, jedes Jahr hat sie sich zu Weihnachten den neusten Wandkalender von ihr gewünscht und viele ihrer Werke hat sie nachgemalt und bei sich zuhause aufgehängt.

Gestern fand ich nun diese kleine, beeindruckende Geschichte:

„Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn schlimm? Ist ein Fest weniger schön, wenn es kurz ist? Und mein Leben soll ein Fest sein. Ein kurzes, intensives Fest.“

Das schrieb die damals noch sehr junge und noch unverheiratete Paula Becker im Juli 1900 in ihr Tagebuch.

Am 20. November 1907 (also gestern vor 115 Jahren) starb Paula-Modersohn Becker dann im Alter von 31 Jahren nur drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde ganz plötzlich an einer Embolie.

Mich hat das total berührt beim Lesen. Denn egal, ob man nun auch so eine Todesahnung hat oder glücklicherweise eher nicht: sollte man nicht auf jeden Fall so eine Vorstellung vom eigenen Leben haben? Dass dies ein tolles, intensives Fest ist – und die Länge eher eine untergeordnete Rolle spielt! Dass man seine Tage, die man geschenkt bekommt, mit Freude füllt, möglichst jeden Glücksmoment wahrnimmt und ganz bewusst begeht.

Ja, das Leben ist ein Fest – lasst es uns feiern, lasst uns tanzen, lachen, hüpfen…

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Uta, ich verstehe was Du meinst. Jeden Tag intensiv zu erleben und nicht abgestumpft im Alltagstrott zu versinken ist ein sehr lebenswertes Ziel. Und ja, dann steht es vielleicht nicht mehr für jeden Menschen so stark im Vordergrund, wie lange man (er)leben darf.

    Im Falle der jungen Paula Becker, macht es mich dennoch sehr betroffen, was ihr widerfahren ist. Hätte sie geahnt, dass ihr Neugeborenes sehr früh und niemals mehr ihren vertrauten mütterlichen Herzschlag in ihren geborgenen Armen hören würde, so hätte sie ihr kurzes Leben vermutlich nicht als intensives Fest empfinden können – um des Kindes willen. Es gibt halt fast immer Licht UND Schatten.

    • Ja, in ihrer Rolle als Mutter war der Umstand ihres viel zu frühen Todes absolut tragisch und schrecklich. Ihr letztes Wort soll auch tatsächlich „Schade!“ gewesen sein, bevor sie am Tisch zusammenbrach…
      Ich kann ihre Einstellung zum Leben (und zum Tod) als Frau aber absolut gut heißen und das als Vorbild nehmen – also wenn man ihr Kind und die ihr nahe stehenden Personen mal gedanklich ausklammert, was natürlich schwierig ist.

  2. Das sehe ich genau wie Du, Uta! Mit dieser Einstellung durch’s Leben zu gehen, lässt einen viele schwierige Hürden gleich viel gelassener bewältigen und unterm Strich bleibt trotz des Schicksals keine Bitterkeit, sondern im Rückblick ein Lächeln.

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