Scheitern als Chance

Scheitern…

… an sich ja ein ganz schön doofer Begriff. Denn man verbindet damit etwas, das man nicht geschafft hat und darüber hinaus mit dem Gefühl, kläglich versagt zu haben. Wenn man gescheitert ist – dann hat man sein Ziel nicht erreicht, dann hat man einer bestimmten Vorstellung nicht entsprochen, dann ärgert man sich im schlimmsten Fall ganz arg über sich selbst.

Ich hab das so ein Paradebeispiel, welches für mich ganz typisch ist – bzw. einem üblichen „Uta-Scheitern“ entspricht: Das Aufstellen von Liegestühlen.

Klingt ja wirklich banal: aber dieses Friemeln mit den zwei Holzstangen – in welche Richtung die eine gedreht werden muss, um mit der Querstange in die Vorrichtungen gesteckt zu werden – wie rum die Liegefläche ausgerichtet werden sollte, damit man sich auch sicher reinplumpsen lassen kann – ich bin damit jedes mal aufs Neue komplett überfordert. Ich kann mir aus dem Teil ein prima Schuhregal basteln oder durch irgendwelche Verrenkungen der Stäbe eine formschöne Garderobe – aber eine gemütliche Liegewiese kommt selten dabei heraus. Seht selbst…

Ich weiß nicht, ob man das andere Wichtige auf dem Bild so gut erkennen kann: Ich habe da richtig doll geweint!

Weil ich in der Situation mit den Liegestühlen über mich selber nämlich so sehr gelacht habe, dass mir der Bauch weh tat und mir dicke Tränen übers Gesicht gelaufen sind.

Und das ist mein Tipp beim eigenen Scheitern: das Komische an der Sachlage erkennen – sich selber nicht so ernst nehmen und einfach anerkennen, dass es eben einfach (und eben auch oft einfache!) Dinge gibt, die man nicht beherrscht. Dafür kann man aber halt anderes.

Und oftmals ist das auch wirklich nicht weiter tragisch: Aufgrund meiner Unfähigkeit, Liegestühle aufzubauen, habe ich noch niemandem geschadet, es ist kein Sack in China deswegen umgefallen und ich kann trotz dieses Scheiterns wunderbar im Leben klar kommen.

Im nächsten Artikel geht es noch mal über dieses Thema – und dann stelle ich Euch eine kleine Hausaufgabe… die ist toll und man erfährt so einiges über sich selbst!

Habt ne gute Zeit und don´t forget to hüpf!

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mein Scheitern betrifft mich ganz persönlich. Und zwar ist meine Beziehung nach 25 Jahren gescheitert…. und auch ich gebe mir dafür die Schuld und es ist für mich sehr schwer, mir dieses Scheitern einzugestehen. Ich bin daran gescheitert, den Mann den ich liebe, zu „halten“. Ich muss mit meinen Zwillingen nochmal von vorn anfangen…. zumindest, was das Leben mit einem (Ehe)Partner betrifft.
    Während ich dies schreibe, bin ich mir gar nicht sicher, ob Du auch diese Art von Scheitern meinst…. denn Dein Scheitern hat ja noch ein wenig Witzigkeit, die ich bei meiner Art des Scheiterns (noch) nicht wirklich finden kann….

    • Liebe Ute,
      zunächst einmal tut es mir natürlich von Herzen leid, dass Deine so langjährige Beziehung zu Ende gegangen ist. So etwas ist immer sehr schmerzhaft und ein großer Verlust – eine Lücke, die man erstmal wieder füllen muss und die zunächst auch unschließbar wirkt.

      Ich habe nach dem Scheitern meiner Ehe auch viel nachgedacht, die Schuld bei mir gesucht und damit gehadert, dass es mir scheinbar nicht gelungen war, die Trennung zu verhindern – auch wenn ich diejenige war, die gegangen ist.
      Ich denke, zu diesem ganz anderen Scheitern – was mit meinem Artikel tatsächlich nicht gemeint war – gehören immer zwei. Und ich glaube auch nicht, dass man darin wirklich Schuld findet (es sei denn, es ist ganz offensichtlich) – leider sind die Gefühle aber in der ersten Zeit absolut so.
      Ich kann mir darüber natürlich kaum ein Urteil bilden – aber vielleicht schaffst Du es ja irgendwann zu sehen, dass es nicht DEIN persönliches Scheitern ist/war, die zu der Trennung geführt hat. Wenn Beziehungen scheitern, ist die Sachlage doch um vieles komplexer als bei meinem Beispiel der Liegestühle.

      Ich weiß, wie schwer es ist, mit zwei Kindern alleine zurecht zukommen! Ich wünsche dass die erforderliche Kraft spürst, denn die hast Du in Dir! Alles erdenklich Liebe!

  2. Uta, kannst dich mit Rolf zusammen tun. Er ist ha perfekter Handwerker aber das kriegt er auch nicht hin.

  3. Wenn es um Existenzieller geht, verliert das Scheitern seine Leichtigkeit. Dann verliert auch die Aussage von der Ästhetik des Scheiterns ihre sprachliche Gewandtheit, und klingt wie Hohn. Weil Frau sich dann nicht mehr über sich selbst erheben kann, und das Ganze mit einem gewissen Abstand von außen betrachten kann.
    Es ist immer besonders schlimm, wenn eine Beziehung mit Kindern in die Brüche geht.

    • Liebe Sabine,
      mein Artikel bezog sich natürlich nicht auf solch existenzielle Dinge – eher auf die kleinen, alltäglichen Dinge, die man mit einem Lachen ausbügeln kann.
      Dass das Scheitern einer Ehe etwas ganz Anderes ist, weiß ich ja nun aus eigener Erfahrung und darüber würde ich mich niemals lustig machen oder mit Hohn darüber schreiben!
      Alles Liebe

  4. Hab ich auch nicht so verstanden!☺
    Mir ging nur der Artikel von Ute sehr Nahe.
    Beste Grüße

  5. Da kann ich mich nun leider einreihen: Bei mir sind es “nur“ 15 Jahre Ehe, aber die Länge spielt ja keine Rolle, wenn einem bei der Ankündigung erst einmal der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Ein erster Lebensentwurf ist gescheitert, leider auch der Versuch, meine Kinder in einem stabilen Familienleben aufwachsen zu lassen. Bald müssen wir uns alleine durchschlagen, aber schon jetzt kämpfe ich wie eine Löwin, damit es für sie nicht allzu schwer wird und wir drei eine andere, nicht einfachere, aber emotional entspanntere Perspektive haben. Aber als persönliches Scheitern sehe ich es eher nicht, denn ich habe und hatte keinen Einfluss darauf, dass mein Gegenüber sich seinen Problemen, die jetzt in der Midlife Crisis besonders krass zutage treten, nie wirklich stellen konnte bzw. meint, ihnen durch eine Trennung entfliehen zu können. Wenn ich die mit Deinem Liegestuhlaufbau vergleiche, war es nicht schlimm, den Stuhl nicht sitzbar aufbauen zu können, solange eine Person selbst damit so klar kommt, schräg aber irgendwie sitzen konnte, weil sie den Stuhl nur für sich aufbaute. Aber sobald andere ins Spiel kommen, für die die Stühle zwar aufgebaut sind, aber schräg, die sich setzen und anmerken, dass was nicht passt, deren Hilfe beim Aufbau aber vehement abgelehnt wird, weil sie angeblich eh keine Ahnung haben und sich nicht mit der Situation zufrieden geben können und sich daher immer beschweren müssen… Am Ende kracht der Stuhl dann zusammen, es tut sich dabei jemand weh, kommentiert wird das mit ’selber Schuld, wenn du dich draufsetzt‘ und die Person, die immer beim Aufbau gescheitert ist, lässt den kaputten Stuhl liegen und sucht sich ein unkompliziertes Loungemöbel. Nur leider hilft das auch in Zukunft nicht dabei, Liegestühle richtig aufbauen zu können…

    • Liebe Andrea,
      puh… jetzt musste ich erstmal tief einatmen. Und wieder aus.
      Vielen Dank für Deinen Kommentar, Deine Ehrlichkeit und Deinen offenen Schmerz. Es tut mir sehr leid, was Du schreibst – es geht ganz schön tief.
      Meine Liegestühle waren sicherlich nur als eben Liegestühle gemeint – aber so wie Du es beschreibst, kenne ich das natürlich auch. Das sind sehr bittere Erfahrungen und die kann man nicht weglachen. Die lähmen auch das Hüpfen – aber ich hoffe, dass Du es schaffen wirst, Dich daraus zu befreien. Kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich lohnt, zu kämpfen.
      Ich wünsche Dir alles erdenklich Liebe und Gute! Und hoffe, Du kannst hier im Blog vielleicht ab und zu ein klein bisschen Kraft schöpfen – das würde mich total freuen.

      • Liebe Uta,

        danke für Deine guten Wünsche. Ich weiß, das ich es schaffen werde, da rauszukommen, aber das wird ein langer Weg. Es ist auch noch nicht absehbar, wie steinig der werden wird. Was mich aber ungemein motiviert und Kraft gibt ist, wenn ich sehe/lese, wie andere ähnliche Situationen meistern und über sich hinaus wachsen: Chancen ergreifen. Deinen Sprung ins kalte Wasser mit der Ausbildung fand und finde ich unglaublich mutig und bewundernswert! Ab und an blitzen bei mir schon klitzekleine Momente auf, in denen ich schon etwas gespannt bin, welche Chancen sich mir bieten werden, neben der Angst/Ehrfurcht vor den vielen neuen Anforderungen alleine mit den Kids in beginnender Pubertät, der Wohnsituation und neuen Alltagsbewältigungsstrategien.
        Auch wenn ich mich erst einmal ‚alleine mit den Kids‘ fühle, bin ich nicht wirklich alleine, den ich durfte in den letzten Wochen verstärkt erfahren, wie viel Liebe und Unterstützung ich bekomme, von meiner Herkunftsfamilie, Freunden, Bekannten… Das tut unglaublich gut – und bringt mich jedes Mal wieder zum Heulen (gerührte Freudentränen), wenn ich mir dessen bewusst werde.
        Dieses warme Gefühl ist wohl schon der erste Gewinn aus dem ganzen Schlamassel…

        • Liebe Andrea,
          das wird Dir auch niemand sagen können, wie steinig der Weg sein wird – sicherlich wird es so manchen „Fels“ geben – aber dann auch wieder leichte, gerade Abschnitte, auf denen Du die Sonne im Gesicht spürst! Nimm Dir für beides die Zeit, die es braucht. Das kann ich Dir nur sehr ans Herz legen… Verdrängung hilft niemandem – am wenigsten Dir selber. Das holt Dich sonst alles wieder ein – kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen.
          Und guck, dass Du neben Mama eben auch noch Andrea bleibst – höre auf Deine eigenen Bedürfnisse, die sicherlich hintenan stehen… aber die auch zwischendurch mal gehört werden wollen und sollen. Man kann nur eine gute Mama sein, wenn man auch eine glückliche Mama ist – davon bin ich feste überzeugt: heißt in Deinem Fall: sich soviel Gutes tun, wie es eben geht!!!!
          Toll, dass Du soviel Unterstützung bekommst – und ich hoffe, der Blog hier ist Dir ebenfalls ein kleiner Wegbegleiter!

  6. Ich habe meine Kinder allein groß gezogen, seit sie 1,5 und 6 Jahre alt waren. Heute sind sie 22 und 27 und wir haben ein sehr inniges Verhältnis und ich bin sehr stolz auf die beiden und auf mich.
    Es hat unendlich viel Kraft gekostet, aber es erwächst daraus auch unendlicher Reichtum.
    Ich wünsche euch allen, die ihr noch mitten in dieser Aufgabe steht, Kraft, Geduld und Humor!

    • Liebe Christiane,
      ja, bei dem Lied kann ich auch mitsingen. Die Melodie war teilweise ganz schön schräg – und oft genug war man heiser…
      Wie schön, dass Ihr drei das Allerbeste draus gemacht habt!!!
      Und vielen Dank für Deine tollen Wünsche!

  7. Uff, Ihr Lieben alle, hier kommen ja mal wieder sehr berührende persönliche Geschichten zu Tage…

    Ich glaube, selbst bei diesem existentiellen Scheitern kann eine Portion Gelassenheit nicht schaden: Auch, wenn ein bisheriger Lebensentwurf gescheitert ist, heißt das nicht das Ende des Lebens an sich. Es tut weh und es kostet viel Kraft, sich wieder aufzurappeln. Aber es geht weiter. Irgendwie. Es wird anders, aber es kann trotzdem wieder gut werden. Anders gut halt. Diesen Glauben zu verinnerlichen ist für mich ein ganz wichtiger Bestandteil, um auch mit „echtem“ Scheitern umgehen zu können. (Und nein, ich kann bei zerbrochenen Beziehungen nicht wirklich mitreden. Aber ich kenne mich mit sich in Luft auflösenden Lebensplanungen und -entwürfen ganz gut aus…)

    Und was das „Liegestuhl-Scheitern“ angeht: Eine Portion Humor und die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, hat in der Tat noch nie geschadet 🙂

    • Liebe Esther,
      Du hast damit absolut Recht – aber ich verstehe auch, dass man am Anfang des Endes (einer Beziehung, eines Lebens, einer Planung usw.) meist mit wenig Gelassenheit in die Zukunft blickt. Gelassenheit ist sowieso keine spontane Geschichte – zumindest bei mir nicht: das möchte wohl gelernt und immer wieder ausprobiert werden – denn meistens traue ich meiner eigenen Gelassenheit dann zuerst nicht über den Weg. Da sie dann aber so gut wie immer Recht behält, bin ich dankbar, dass ich ihr eine Chance gegeben habe… 🙂

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