Meine Heldin ist meine Mutter…

… ich habe durchaus meine Zeiten gehabt, in denen ich mich äußerst kritisch und vielleicht sogar ein wenig ungnädig mit meiner Mutter befasst habe. Ganz sicherlich hat sie in meiner Kindheit aus meinen heutigen erwachsenen Augen nicht alles richtig gemacht…

Aber 1. wie sagte schon Friedrich Nietzsche? „Ein jeder braucht eine Therapie, der eine Mutter hatte!“ und

2. denke ich mittlerweile (und habe das letztens schon auf einen Kommentar hier geschrieben), dass wir unsere Eltern (oftmals Kriegsgeneration) sehr häufig überfordern mit unserer heutigen Art, uns zu reflektieren, an uns zu arbeiten und nach Wegen zu suchen, mehr bei uns selber zu sein. Unsere Eltern sind ganz anders aufgewachsen, hatten gänzlich andere Probleme und Sorgen (nicht wertend gemeint). Ich denke, dass es zwischen der vorherigen und unserer Generation einen so heftigen Bruch gibt – was eben das Selbstbild und den Kampf damit angeht – dass es kaum Verständnis geben kann.  

Und dann macht meine Mutter so verrückte Dinge wie: sich mit ihren knackigen 85 Jahren noch „mal eben“ auf den OP-Tisch zu legen mit Vollnarkose und allem Zipp-Zapp. Sie hatte sich vor zwei Jahren bereits das linke Knie wegen ihrer Arthrose operieren lassen – jetzt war das rechte Knie dran. Und sie hat es wunderbar überstanden – als ich 6 Stunden nach dem Eingriff mit ihr telefonierte, machte sich bereits angeleitete Gymnastik.

Und ich habe innerlich den Hut vor ihr gezogen – vor diesem unerschütterlichen Glauben, dass schon alles gut werden wird und ihrem Mut! Sie ist da das beste mütterliche Vorbild, das man sich nur wünschen kann.

Und wenn sie auch mit den beiden künstlichen Knien nicht mehr buchstäblich zum Hüpfen kommt: sie kann es dennoch weiterhin – und wird mir hoffentlich noch lange die größte Lehrmeisterin darin sein!

Schönes Wochenende für Euch alle…

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Uta,ich wünsche dir von ganzem Herzen,das sie dir noch ganz lange erhalten bleibt.
    Mutter-Tochter Beziehungen sind immer schwierig…
    Meine fehlt mir so sehr,das kann ich nicht in Worte fassen.
    Unser Verhältniss war in den letzten Jahren auch sehr angespannt,aber ich habe ihr alles verziehen.
    Und jetzt wo sie nicht mehr da ist,merke ich erst wie sehr ich meine Mom doch bewundert habe.
    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.
    LG Petra

    • Liebe Petra,
      ja – ich habe bei diesem Artikel ziemlich viel an Dich denken müssen. Und bei all dem Schmerz, den Du berechtigterweise natürlich gerade durchmachen musst, finde ich es toll, dass Du Deine Mutter so sehen kannst – dass Ihr Euch ausgesprochen habt und Du sie in all den Ehren halten kannst, die sie verdient hat! Das ist echt schön…

      • Zum Aussprechen hatten wir leider keine Zeit mehr 😢
        Bin gerade wieder in Köln.
        Lg Petra

        • Manche Situationen erfordern auch keine Worte – ich bin mir sehr sicher, dass Deine Mutter genau gewusst hat, was Du ihr noch gerne gesagt hättest

  2. Hallo Ihr Lieben,
    jetzt hab ich mal den fetten Kloß im Hals, denn meine Eltern fehlen mir oft SO sehr! Meine Mama starb mit 44 (umgefallen und tot) und mein Papa mit 61 (nach 6 Wochen Kampf gegen Bakterien) – das ist nun schon 33 und 18 Jahre her. Wie gerne würde ich die beiden um Rat fragen, Geschichten von früher hören oder einfach nur mal feste drücken. Ihnen ist vielleicht das Leid des Alters erspart geblieben… Aber ich kann euch nur sagen, genießt die Augenblicke und Gespräche mit euren „Oldies“.
    Schönes Wochenende und herzliche Grüße Christina

    • Liebe Christina, auch ich hatte bei Deinem Kommentar einen dicken Kloß im Hals – kann gar nicht ermessen, was es bedeutet, seine Eltern so früh zu verlieren. Durch Eure Liebe sind sie für immer bei Dir – das ist sicherlich nur ein schwacher Trost. Aber ich hoffe sehr, dass Du in Deiner weiteren Familie und bei Deinen Freunden ansatzweise den Halt gefunden hast, den Du brauchst! Alles Liebe von der Uta

  3. Ich liebe meine Mama auch über alles.
    Jetzt wo sie leider ihr zweites Kind beerdigen musste (mein Bruder wurde nur 58 Jahre alt), müssen wir doch sehr aufpassen. Sie ist sehr verletzlich mit ihren 80 Jahren und ihre Traurigkeit mitansehen zu müssen ist furchtbar, zumal wir alle auch noch mit uns zu tun haben.

    Sie ist und war das liebevollste Geschöpf, das ich kenne und ist mein größtes Vorbild.

    Ich wünsche mir sehr, dass wir sie noch lange bei uns haben.

    Allen ein gutes Wochenende.

    Liebste Grüße

    Bärbel

    • Sooooo viele liebe und gute Gedanken für Eure Familie, liebe Bärbel! Ihr habt es im Moment verdammt schwer – aber Ihr haltet felsenfest zusammen und das wird Euch helfen! Toll, dass Du so eine wunderbare Frau Deine Mutter nennen darfst!

  4. Liebe Bärbel,
    So gerne würde ich Dir Trost geben, aber für das, was Du und Deine Familie in diesen schweren Tagen an Leid erleben müsst, fehlen mir einfach die rechten Worte. Ich wünsche Dir und Deinen Lieben Kraft und Zuversicht, um mit dem Verlust Deines lieben Bruders umgehen zu können.
    Da auch ich meine verstorbene Mama über alles geliebt habe und am liebsten jeglichen Schmerz von ihr fern gehalten hätte, kann ich ein wenig nachfühlen, was es mit Dir macht, Deine geliebte Mama so schmerzvoll und zerbrechlich zu sehen. Ich wünsche Dir allen Mut und Stärke, um ihr jetzt Halt und Wärme zu geben. Ich denke an Dich und Deine Lieben. Lass Dich umarmen, liebe Bärbel!

    • Danke Gabi,
      das ist so lieb von dir.
      Wir „verbliebenen 3“ tun alles Menschenmögliche, um es unserer Mama zu erleichtern, aber es ist sehr schwer für uns alle.

      Ich umarme dich auch mal ganz feste.

  5. Liebe Uta; toll dass Deine Mutter noch so eine OP machen lässt, alles Gute für sie. Mütter und Töchter reiben sich oft aneinander vlt weil sie sich meist sehr ähnlich sind. Ich glaube auch, man versteht sie erst richtig wenn män älter wird und selbst Mutter ist. Ich bin kurz vor Ende des Krieges geboren, Vater in Gefangenschaft. Die Frauen mussten sich und oft mehrere Kinder durchbringen, es gab kein Kindergeld, keine sozial Stelle an die sie sich wenden könnten, und so etwas prägt. Ihr Leben war durch Verzicht nur zu meistern. Ich hab meine Mutter dafür bewundert und die eigenen Sorgen verdrängt. Man hatte noch Respekt vor diesen Menschen, was heute viele gar nicht verstehen. Meine Mutter ist 96 Jahre bei bester Gesundheit geworden. Sie konnte ihren Lebensabend bei uns verbringen und wurde ein halbes Jahr gepflegt. Dafür bin ich unendlich dankbar und sie fehlt mir jeden Tag.

    • Ja – liebe Elli. Meine Mama und ich sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich. Wir sind beide sehr starke Köpfe, haben beide unseren Willen, unsere sehr spürbare Präsens und eine fast unbesiegbare Lebensfreude. Ich bin meiner Mutter für diese Gaben sehr dankbar – mit dem für mich nicht so Guten habe ich mich lange auseinander gesetzt und bin schon länger damit versöhnt. Und es ist so wichtig und erleichternd, wenn man mit seiner Mutter Frieden geschlossen hat – und das wichtigste Gefühl spürt: Dankbarkeit und Liebe

  6. Ich denke, jeder von uns war manchmal nicht mit dem einverstanden, was unsere Eltern besonders die Mütter uns sagen wollten. Wird bei unseren Kindern nicht anders sein. Aber je älter man wird, desto mehr schätzt man die Mutter. Meine Mutter ist ja nun 2 Jahre tot. Sie war mit ihrem 93 topfit im Kopf und sie hat mir noch viel erzählt, nur die Beine wollten eben nicht mehr so. Ich vermisse sie sehr, obwohl ich in den letzten 2 Wochen oft gebetet habe, dass die endlich erlöst wird. Sie war eine gute Frau, hat wenig an sich gedacht, war immer für uns und auch für andere da und da hatte sie es nicht verdient, so schwer sterben zu dürfen.

    Uta ein schönes Wochenende und hüpf schön weiter.

  7. Liebe Uta,
    Zu sehen, dass Deine Mutter optimistisch nach vorne schaut und zielstrebig für mehr Lebensqualität die zweite Knieoperation hinter sich brachte, muss nicht nur für sie, sondern auch für Dich ein gutes Gefühl sein. Du kannst zu Recht sehr stolz auf sie sein!!! Sie ist sicher eine sehr aufrechte und mutige Frau, die gelernt hat, so manchem Unangenehmen die Stirn zu bieten. Toll ist doch, dass sie Dir diese Einstellung vermittelte …. NEVER GIVE UP!!!!!!!
    Ob es zwischen beiden Generationen tatsächlich einen Bruch gab, kann ich nicht beurteilen. Sicher ist man in vielen Dingen unterschiedlicher Meinung und spricht nicht immer dieselbe „Sprache“. Als Jugendliche war das bei mir viel ausgeprägter, ich war auch gelegentlich „ungnädig“ und wollte keinesfalls so werden wie meine Mama. Diese Tendenz kann ich jetzt bei meinen Töchtern beobachten….Ich sehe es wie Elli, es gibt Reibereien, WEIL man sich so ähnlich ist. Meine weise Mama hat das oft lächeln bestätigt. Damals wollte ich es nicht wahrhaben aus Trotz, heute aber weiß ich, dass sie Recht hatte und bin froh und stolz, dass es so ist. Vor zehn Jahren musste ich sie gehen lassen. Es war sehr schmerzhaft für mich, ich vermisste sie so sehr. Heute aber kann ich lächelnd und dankbar auf „unsere Zeit“ zurückblicken. Ich spüre Ihre Liebe noch immer und fühle mich ihr sehr nah. Meine Mama hat es nicht immer leicht gehabt. Als junges Mädchen erlebte sie die Schrecken eines völlig sinnlosen Krieges. Dann im eisigen Winter die Flucht vor den anrückenden Russen Richtung Westen. Trotz all dieser traumatisierenden Erlebnisse, trotz Hunger und schrecklicher Angst hat sie uns, ihren drei Kindern, immer Stärke, Selbstvertrauen und Verlässlichkeit vermitteln. Sie gab uns Geborgenheit und Liebe.

    • Liebe Gabi!
      Ja, stimmt – ich kann wirklich berechtigt stolz auf meine starke Mutter sein und auf das, was sie mir mit ins Leben gegeben hat.
      Bei dem Bruch war eher die Arbeit an sich selber, die Selbst-Reflektion usw. gemeint… oftmals habe ich die Idee, dass wir in der heutigen Zeit die Therapien machen, die unsere Eltern schon längst hätten machen sollen. 🙂

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