Man kann sich entscheiden

Menschen sind schon so ein seltsames Völkchen… liebenswert, wunderbar, einzigartig – aber eben auch manchmal ganz schön komisch.

Ich habe letztens von einem besonderen Phänomen gelesen, das wir wahrscheinlich alle von uns auch in der einen oder anderen Form kennen. Es heißt „Negativity Bias“ in der Psychologie und besagt, dass man immer wieder dazu neigt, sich dem Schlechten mehr zu zu neigen als dem Positiven. Es ist wie ein Impuls, ein menschlicher Hang oder fast wie ein Reflex, dem wir da aufliegen – meist, ohne es bewusst zu bemerken.

So sieht man in einem Konflikt gerne mal nur noch die schlechten Eigenschaften seines Gegenübers, ein durchaus wohlverdientes Lob verpufft ganz schnell (wenn wir es denn überhaupt annehmen), während eine Kritik wochenlang in uns nachhallen kann und in den Medien klickt man blöderweise bevorzugt auf die schlimmen Nachrichten – nicht umsonst sind diese deswegen komplett voll damit.

Das ist wie der kleine Sprung in einem ansonsten intakten Glas – der Blick klebt nahezu an der nicht perfekten Ecke, obwohl es doch so viel Fläche zum ungestörten Durchschauen geben würde. Und je länger wir hingucken, desto größer scheint der Riss zu werden.

Auch hier kann man den berühmt-berüchtigten Säbelzahntiger, der ja irgendwie stets herhalten muss, wenn man eine schlechte Eigenschaft durch unsere Vergangenheit begründen möchte, hervorkramen: da hat es nämlich durchaus Sinn gemacht, sich mehr auf die Gefahr des Raubtieres zu konzentrieren als auf die Beeren am Wegrand zu achten.

Heute können wir uns aber durchaus bewusst machen, dass es neben dem ganzen „Ussel“ des Lebens eben auch so viele gute, schöne, sinnvolle, leichte und Glück-bringende Dinge gibt – und dass sich ein zweiter, dritter und vierter Blick darauf durchaus lohnt!

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Und in meinem lokalen Sender (WDR) gibt es in der 16.15 Uhr Sendung stets die Rubrik „kurz und gut“.

  2. Du hast Recht, liebe Uta, wir alle sollten uns immer wieder daran erinnern, unsere „Antennen“ neben dem alltäglichen Ussel bewusst auf die schönen Dinge des Lebens und vor allem auf liebenswürdige, empathische Menschen zu richten. Es gibt so viele von ihnen – und unverhofft auf solch warmherzige, offene Leute zu treffen, ist ein Geschenk. Es liegt an uns allen, ob wir positiv damit umgehen und daraus dauerhaft eine wertvolle Gabe machen.

    Ich habe mir angewöhnt (und das klappte nicht sofort von heute auf morgen!) stets zuerst zu versuchen, beide Sichtweisen (die meines Gegenübers und auch meine) ganz aktiv wahrzunehmen, um zu verstehen und um mich weiterhin unvoreingenommen auf die/den Andere(n) einlassen zu können. Daraus können sich wunderbare Begegnungen entwickeln. Und selbst wenn es nur ein kurzer flüchtiger Moment ist, lohnt es immer für beide Seiten ein Lächeln zu verschenken!

  3. Jonathan Haith , sagt sinngemäß, wir haben verlernt spazieren zu gehen. Und das, mit Menschen, die eine ganz andere Sichtweise haben. Wir sollen mindestens so lang mit ihnen gehen, bis wir den Punkt erkennen, an dem der andere Recht hat.
    ….passt vllt nur zum Anfang des Beitrags, aber ist mir spontan eingefallen, als ich deinen Beitrag las
    ….ist aus dem Gauck – Interview 09.07.bei M. Lanz- sehr sehenswert
    (und er lässt ihn auch ausreden)

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