Diese Woche hatte ich ein paar Tage lang frei und ich habe das goldene Oktoberwetter öfters dafür genutzt, um in unserem Garten zu sein, ein gutes Buch zu lesen oder einfach in der Gegend rum zu gucken (eine herrliche Tätigkeit!) – dabei fiel mir ein recht großes Spinnennetz auf, welches ein emsiges Acht-Beinchen zwischen drei unserer Pflanzen gebaut hatte und in wessen Mitte es auf fliegende Nahrung wartete.
Ich muss jetzt dazu sagen, dass ich zwar nicht unter einer Spinnen-Phobie leide, aber je größer der Körper oder auch je länger die Beine, desto stärker ist auch meine innere Abwehr und ich muss dann schon eher an mich halten, um mich nicht zu schütteln. Grundsätzlich sind mir diese Tiere draußen wesentlich lieber als innerhalb meiner vier Wände…
Da ich ja eh nicht viel Besseres zu tun hatte, hab ich besagte Spinne in meiner Nähe dann mal eine Weile beobachtet und war bereits nach kürzester Zeit sehr beeindruckt. Denn das Tierchen hatte immer mal wieder alle Beine voll zu tun: neben dem schönen Sonnenschein gab es nämlich immer mal wieder herbst-typische Windböen und so verfingen sich immer mal wieder einzelne Blätter vom Bambus aus des Nachbarn Gartens in ihrem Netz. Dieser Umstand schien der Spinne absolut nicht zu gefallen, denn sie schien zu „wissen“, dass potentielle Beute somit wesentlich besser ihre Falle erkennen können und die Aussicht auf Nahrung dadurch schwinden würde. Also machte sie sich jedes Mal umgehend auf den dünnen Weg und machte sich durch eifriges Anstupsen des Störenfrieds daran, diesen aus ihrem Netz zu entfernen – sah sehr geschickt, aber auch echt mühselig aus. Und so bin ich irgendwann dazu übergegangen, dem Tier zu helfen und die Blätter vorsichtig aus ihrer Essenskammer zu zupfen.
Dabei ist mir dann aufgefallen – die Spinne hat sich natürlich nicht wortreich bei mir bedankt, hat mich angelächelt oder mir gar Blumen überreicht, aber dennoch hab ich gemerkt, dass eine gewissen Verbindung zwischen uns entstand. Wahrscheinlich nur von meiner Seite, aber die zählt in meiner Welt ja auch mehr…! 🙂
Nachdem ich ihr nach den wohlklingenden Namen Mathilda (bedeutet nämlich „mächtige Kämpferin“) gegeben hatte, war die Bindung perfekt.
Das bringt mich zu folgender These: wenn man sich mit einem Wesen (egal ob Mensch oder Tier) intensiver auseinandersetzt, sich die Zeit nimmt, um es ansatzweise in seiner Eigenart und in seinen Bemühungen zu verstehen, dann muss man es immer noch nicht lieben oder alle Handlungen gut heißen – aber man entwickelt dennoch eine gewisse Art von Respekt, Verständnis und Akzeptanz. Natürlich hat man dazu viel zu wenig Raum und mangelnde Gelegenheiten, aber es hilft wahrscheinlich schon, den Gedanken mal im Hinterkopf zu haben.

Das ist Mathilde – sie wird sicherlich nicht das neue Familienmitglied, von dem ich im letzten Artikel geschrieben habe, aber ich hab sie als das gesehen, was sie ist. 🙂
Liebe Uta, ich verstehe, was Du grundsätzlich meinst. Eine Spinnenphobie habe ich auch nicht, aber so fette Exemplare mit „Warnkreuz“ auf dem Buckel nötigen mir Respekt, aber kaum Verständnis und Akzeptanz ab. Ich sehe „Mathilde“ auch als das, was sie ist: eine lauernde, gnadenlose Beutemacherin, die sich auch über harmlose Nützlinge wie Bienen, Hummeln, Marienkäfer, hübsche Schmetterlinge und vielleicht sogar Libellen hermacht. Ebenso unsympathisch ist mir die Gottesanbeterin mit ihren blitzschnellen Fangklauen, die sogar ihren Gatten (nachdem er vorsichtig seine naturgemäße Pflicht erledigt hat) Ratzfatz schnappt und ihn bei lebendigem Leib anknabbert. Im besten Fall für ihn beißt sie ihm sofort kurzerhand den Kopf ab. 😋😉
Ja, das ist eben auch Natur, liebe Gabi… stellenweise ganz schön grausam. Und insofern bin ich ziemlich froh, dass Mathilde in meiner Gegenwart keine Beute gemacht hat (sonst hätte ich die zarte Beziehung zu ihr wahrscheinlich wieder aufs Spiel gesetzt und auch da eingegriffen…) 🙂