Das ging an mein Herz

Im Moment habe ich im Rahmen meiner Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin wieder einen praktischen Einsatz. Diesmal allerdings nicht im Krankenhaus selbst, sondern in einem der erforderlichen Außeneinsätze – und zwar bei einem ambulanten Pflegedienst der Diakonie.

Es ist eine ganz andere Arbeit – auch, wenn man oftmals gleiche Tätigkeiten durchführt. Aber Menschen in ihrem gewohnten Umfeld zu betreuen, ist schon sehr verschieden von der Pflege auf Station. Und ich muss sagen: es macht sehr viel Spaß und Freude, den zumeist älteren Menschen dabei zu helfen, in Ihrem Zuhause wohnen zu bleiben und zurechtzukommen.

Die Diakonie bietet ja auch Palliativ-Pflege an, was meinem Verständnis für diesen Beruf sehr nah kommt. Ich finde es so ungeheuer wichtig, dass Kranke, die ihren eindeutig letzten Lebensabschnitt betreten haben, eine angemessene, liebe- und würdevolle Betreuung erfahren.

Während der ganzen Woche besuchen meine Kollegin und ich deswegen schon jeden Vormittag eine alte Dame, die seit kurzem in einem Heim lebt, unheilbar erkrankt ist und bei der wir eine großartige Aufgabe zu erfüllen haben: wir dürfen uns ungefähr eine Stunde mit ihr unterhalten.

Das ist jedes Mal ganz besonders schön, denn die Frau erzählt sehr viel von ihrer großen Familie und hat dabei immer ganz leuchtende Augen. Zwischendurch blitzt ihr messerscharfer Humor durch – und wir lachen ganz viel mit ihr.

Bei unserem heutigen Besuch ist etwas ganz Besonderes geschehen, was mir sehr ans Herz ging. Ihr Mann war ebenfalls zu Besuch, von dem wir von der alten Dame schon viel wussten – u.a., dass die beiden sich vor 57 Jahren auf der Arbeit kennen gelernt hatten und seit 56 Jahren verheiratet sind.

Heute saßen wir so am Rollstuhl der Patientin, während ihr Mann uns von seinem selbst angebauten Gemüse und Obst im eigenen Garten berichtete. Plötzlich bemerkten wir, wie die alte Dame ihre Augen schloss. Ich berührte sie leicht an der Schulter und fragte sie, ob sie müde sei. Sie meinte mit einem warmen Lächeln: „Nein, ich genieße nur… ich höre die Stimme meines Mannes so gerne!“

Ist das nicht wunderbar, wenn man das noch über 50 Jahren Ehe noch voneinander sagt?

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Uta,
    ja, das ist wunderbar!
    Ich habe das leider noch nie so direkt erlebt wie Du heute. Meistens höre ich von Paaren (bzw. eher von einer Frau), dass sie vieles „nicht mehr hören kann“.
    Ich wünsche Dir ganz viele solcher Erlebnisse, die Deinen Beruf wunderschön machen.
    Liebe Grüße
    Inge W.

    • Das ist ja wirklich schade, dass Du solche Erlebnisse nie hattest und eher das Gegenteil davon zu hören bekommen hast… 🙁 Da kann man es selber ja nur besser machen!!!!

  2. Ich erlebe bei meiner Hospiz- und Palliativarbeit öfter ähnliche Momente, die mir auch nach langer Zeit dieser Arbeit immer noch ans Herz gehen.

    Der Stimme meines Mannes mag ich auch nach 49 Jahren Ehe, immer noch sehr gerne 🙂

  3. Hallo Uta und alle Anderen
    Ich betreue eine ältere Dame in einem Heim für Demenz. Und leider wird es immer schwieriger mit ihr zu reden . Wenn man etwas nicht gleich richtig versteht wird sie leider sehr aggressiv.
    Aber irgendwie geht es doch immer irgendwie.
    In diesem Heim lebt eine Dame die überhaupt keinen Besuch mehr bekommt und die eigentlich mit keinem – auch mit dem Betreuungspersonal – spricht. Nun seit kurzen spricht sie auf einmal mit mir. Ein schöner Moment für alle. Nun besuche ich also regelmäßig sonnabends 2 ältere Damen.
    Und das ist für beide Seiten auch gut so.
    L. G. Irmtraut

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