Davon kann man noch lernen…

So langsam bekomme ich auch den einen oder anderen echten Vorzug vom Festlandsleben wieder auf das Freizeit-Butterbrot geschmiert… hier in den Strassen waren mir Plakate von einem „Kulturfest“ im Nachbarort aufgefallen und ich bin am Wochenende mit meinen Kindern dorthin geradelt.

Hatte mir so eine Art afrikanischen Markt, oder Reggae-Festival mit gebasteltem Schmuck, geflochtenen Haarbändern und Trommel-Musik vorgestellt – war aber ganz anders… und viel schöner…

Das Fest wurde nämlich von einem Heim für Menschen mit Behinderungen veranstaltet und anscheinend wird dort Musik und Tanz ganz groß geschrieben – denn mit zwei Therapeutinnen führte eine tolle Gruppe der Bewohner eine lange Tanzaufführung vor: mit verschiedenen Darbietungen, von Bauch- Ausdrucks- und ganze Geschichten-erzählendem Tanz – bei dem auch selbst gemalte Bilder hochgehalten wurden (siehe Foto) und es endete mit einem großen aufgeblasenen Erdkugel-Wasserball und „We are the world“ von Michael Jackson. Danach konnten alle zusammen Salsa lernen – und es kamen alle zusammen, auch ganz viele Flüchtlinge, die wohl auch dort im Heim eine neue Bleibe gefunden haben: ich war froh über meine Sonnenbrille, denn ich hatte zwischendurch mehr als feuchte Augen: die Afghanen brachten den Heimbewohnern islamische Tanzschritte bei, alle rasteten bei „Billy Jean“ aus und lachten und freuten sich aneinander. Das war so ein schönes Miteinander und es hüpfte so viel Lebensfreude mit – das war großartig und durch meinen Kopf fuhr der Gedanke: „Manchmal ist es so einfach, glücklich zu sein!“

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das klingt ja mal richtig schön und ist speziell für Johanna und Jan mal ne ganz neue Erfahrung gewesen, oder? Da ich selbst „in der Branche arbeite“ , weiß ich, wie unkompliziert Kinder mit dem Thema Behinderung umgehen, wenn sie rechtzeitig in Kontakt kommen mit Menschen, die nicht ganz so aussehen und sich benehmen wie die meisten anderen das tun. Wir laden oft Kindergartenkinder oder auch große Kinder und Jugendliche zu uns in die Einrichtung ein und es ist immer wieder total beglückend zu beobachten, wie schön der Kontakt für beide Seiten funktioniert wenn erst einmal die erste Scheu überwunden ist. Und das klappt über Musik, Tanz oder gemeinsames Malen und Spaß haben ganz wunderbar!!!!

  2. Ja, liebe Uta manchmal ist es tatsaechlich so einfach. Ich war schon bei Veranstaltungen des Martinshof in Bremen dabei. Und da kommt eine Waerme , Herzlichkeit und Unbekuemmerheit zu Tage. Und wie herzlich sie miteinander – auch gegenueber Fremden – umgehen ist einfach toll.. .
    Jeder wird gleich mit einbezogen. Man hat gleich das Gefuehl dazu zu zugehoeren. Man ist gleich mitten drin.Von dieser Waerme und Herzlichkeit sollte man etwas in den allgemeinen Alltag mitnehmen.

    L. G. Irmtraut

  3. Da möchte ich mich Dir gern gleich anschließen, liebe Irmtraud – bei uns herrscht in der Reha-Einrichtung auch eine Atmosphäre von großer Toleranz, Offenheit und Herzlichkeit. Und dabei handelt es sich um Menschen, die zumeist eine spät erworbene schwere Körperbehinderung nach Unfall, Schlaganfall o.ä. haben. Alle Fremden sind immer wieder verblüfft darüber, wie fröhlich es bei uns im Kunstatelier zugeht! Da frage ich mich schon manchmal, ob der Mensch wohl erst mal „aus den Latschen kippen muss“, um sich auf das wirklich Wichtige im Leben zu besinnen?!? Eine gewagte Theorie……

    • Ja manchmal glaube ich das auch. Ich besuche immer Sa meine 88 jaehrige Nachbarin im Heim. Sie hat Demenz. Ich bin einer der wenigen Besucher im Heim. Es gibt dann immer gute und weniger gute Sa. Aber freuen tut sie sich immer. Und inzwischen redet ihre Nachbarin auch mit mir. Sie spricht sonst kaum – auch mit den Pflerger/in nicht und Besiuch bekommt sie auch nur zu Feiertage.n obwohl die Kinder in der Naehe wohnen.. Eigentlich schade ..
      Die paar Std am Sa – und ein paar Menschen sind etwas gluecklich.
      L. G. Irmtraut

    • Nein – das möchte ich nicht glauben, Lydia… ich denke und hoffe, dass man auch ohne schwere Schicksalsschläge wissen kann, was wirklich im Leben zählt…

  4. Ich hatte eine Jugendfreundin die Eltern bewirtschafteten einen Bauernhof und wir Freunde haben immer bei der Getreide-, Heu- und Rübenernte geholfen.
    Eben diese Freundin hatte einen spastisch gelähmten Bruder und wir alle gingen wie selbstverständlich mit ihm um.

    Nach anfänglicher Scheu lehrte er uns schnell auf seine ganz eigene Art, was er von uns wollte.
    Dieser Junge saß mittags mit uns alle am Tisch und freute sich bei uns zu sein, für jeden von uns war es normal, ihm seinen vollgesabberten Mund abzuwischen und wenn er eine Lähmung bekam ihm zu helfen und zu erleichtern.

    Er war einfach glücklich mit uns und wir mit ihm. Nie vergesse ich sein kehliges Lachen wenn man ihn begrüßte und seine Laute, wenn man ihn über seinen Kopf streichelte.

    Es ist sicher mit einer meiner wichtigsten Erfahrungen gewesen in meiner Kind- und Jugendzeit.
    Als er starb standen wir Halbwüchsigen mit an seinem Grab, aber etwas konnte uns niemand nehmen „die Leichtigkeit einfach glücklich zu sein“.

    Liebe Grüße

    Bärbel

    • Super schöne Geschichte, liebe Bärbel… und wie wunderbar, dass Du Dir dieses Wissen bewahrt hast… etwas Besseres konnte man Dir ja in der Vergangenheit gar nicht beibringen!

  5. Hallo Uta,

    als Landratte kann ich Dir das MPS (Mittelalterliches Phantasie Spectaculum) empfehlen.

    Im September ist die größte Veranstaltung, in Hamburg Oeynhausen.

    Wirklich eine tolle Erfahrung für die ganze Familie!

      • Leider hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen… Es muss Öjendorf heißen, nicht Oeynhausen.

        Wenn die Kinder fit sind empfehle ich euch auf jeden Fall das Nachtkonzert von Saltatio Mortis.

        • Hatte das schon gefunden – klingt einfach super… Ich liebe solche Mittelalter-Sachen… bestimmt habe ich da auch schonmal gelebt (wenn ich denn dran glauben würde) und bin als Hexe auf dem Scheiterhaufen gelandet…

  6. hallo liebe uta !
    habe mal wieder mit spannung deinen blog verfolgt ! freut mich richtig für dich . . . das du was passendes gefunden . . . oder ehr . . . dich gefunden hat ! 🙂 hoffe es ist das was du dir so lange erhofft hast und es dir viel spaß macht ! ich habe jetzt noch eine woche arbeit vor mir und dann geht es endlich wieder ab auf die insel . . . juist . . ..wohin auch sonnst 🙂 bin schon ganz aufgeregt und habe den reiserucksack schon halb bepackt ! mir bleibt dann noch dir schon jetzt ein schönes und stressfreies wochenende zu wünschen und das du dich wieder gut von dem langen radeln erholst ! 🙂
    ganz lieben gruß aus dem westerwald

    volker

  7. ohh . . . grade gemerkt . . . mein eintrag ist im falschen datum gelandet ! 🙂
    sollte zum blog 11.08 !
    tja . . . ist wohl das alter . . . oder die vorfreude auf den inselurlaub ! 🙂

    volker

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