Der abschätzende Blick

Auch, wenn ich hier die „Vor-Hüpferin“ bin und darüber schreibe, dass man das Leben leicht und sich selbst nicht immer so ernst nehmen sollte, kann ich bestimmt nicht behaupten, dass ich diesen guten Grundgedanken fürs Dasein immer 1 zu 1 so umsetzen kann.

Wie so oft ist es ganz easy, die richtigen Worte darüber in die Tasten zu tippen – die Umsetzung, die Konsequenzen und das Handeln danach gelingen mir ziemlich oft selber nicht.

Auch beim heutigen Thema kann ich mich häufig dabei beobachten, wie es mich nicht so kalt lässt, wie es sollte. Dass es mich trifft, traurig oder zumindest nachdenklich macht und an mir selber zweifeln lässt. Denn vielleicht kennt Ihr das auch: Ihr steht irgendwo zum Beispiel in einer Menschenmenge, auf einem Konzert, in einem öffentlichen Verkehrsmittel oder in der Supermarkt-Schlange und ein völlig fremder Mensch schaut Euch an. Und zwar nicht offen, wertfrei und wohlwollend – wie es im Prinzip jede Person zunächst ja verdient hätte – sondern mit diesem besagten abschätzenden Blick. Der Ausdruck in den Augen erzählt in einer Sekunde ganze Bücher darüber, was dieses fremde Wesen über einen denkt, was es in Dein Aussehen, Dein Outfit, Dein Lachen, Deine Haltung hinein interpretiert. Ohne, dass Du bewusst etwas dafür oder dagegen getan hättest, ohne ein persönliches Wort und ohne eine Chance siehst Du Dich selber innerhalb eines Wimpernschlages in einer bestimmten Schublade verschwinden.

Klar – das kann einem natürlich letztendlich egal sein: ist schließlich nicht Deine Schublade, sondern die des Gegenübers!

Vielleicht siehst Du diesen Menschen nie wieder – warum sollte seine Meinung einen berühren?!?

Leider ist man aber eben nicht immer gleich gefestigt in sich selbst – oder man wird von dieser plötzlichen kleinen Abneigungs-Welle, die über die gerade noch gute Laune schwappt, einfach zu sehr überrascht.

Ich wünsche uns für solche Momente ab sofort ein Superhelden-Hüpf-Kostüm mit Augenmaske, die dem komischen Blick mit einem voller Liebe begegnet, mit einem Umhang, der einen zur Not mal kurz unsichtbar werden lässt, um sich zu sammeln, zu schütteln und gestärkt wieder zu erscheinen und mit dicken Spiralen unter den Füßen, die einen nur umso höher hüpfen lassen.

Ich weiß, dass wir diese Superkräfte alle in uns tragen – dass wir alle Hüpfer sind! Nutzen wir sie – auch in diesen Augenblicken!

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Uta, noch auf Juist hatte ich das fragliche „Vergnügen“, einer solchen „Gewitterziege“ zu begegnen. Kann ich denn etwas dafür, wenn sie mich in die falsche Schublade stecken will, ich war doch ganz lieb und umgänglich?! Ich konnte einfach nicht anders, als mir ein Lächeln mühsam zu verkneifen. Die Irritation in ihren Augen hat mir gut getan!!
    Aber im Ernst, Du hast Recht, dieses Abschätzende, manchmal sogar Geringschätzende und vielleicht sogar „Klein-machen-wollende“ erlebt man in unserer Gesellschaft häufig – da läuft nicht alles richtig!

    • Warum hast Du Dir das Lächeln verkniffen, liebe Gabi? Das wäre doch im Prinzip die beste Antwort auf die „Gewitterziege“ (sehr schöner Begriff) gewesen… Und ja, leider läuft es in unserer Gesellschaft oft so, das ist mehr als schade

  2. Dieses Phänomen ist glaube ich ein rein frauliches, wir haben immer eine spezielle Antenne für andere und glauben die Meinung und Gedanken unsers Gegenübers erraten zu können.
    Frau sollte da oft souveräner sein, so wie viele Männer.
    Den Jungs ist es im großen und ganzen ziemlich egal was andere von ihnen denken oder wie kann es sonst dazu kommen das Mann in kurzer Hose, behaarten Beinen und weißen Tennissocken in Sandalen vor die Tür geht. Mädels traut euch auch mal seltsam gekleidet oder ohne Frisur aus dem Haus!!
    Hüpft mal aus der Reihe! Das geht !!
    Viel Spass bei der Enddeckung eurer männlicher Seiten 😉

    • Guten Morgen Angela, ich habe leicht geschmunzelt – und eigentlich dürfte ich jetzt nicht darauf antworten, weil – „egal was sie von uns Männern denkt“. Auch wir haben Gefühle, ein Gewissen und Herz. Wer kann schon alle Erwartungen erfüllen – und – will ich das auch? Es geht doch vielmehr um Respekt und Toleranz – und noch eine Sache – in einer Beziehung: wenn die Wurzel tief und stark ist, ist alles andere egal. Also liebe Frauen – traut euch Männer anzusprechen, die Haare an den Beinen haben und weiße Tennissocken tragen – auch diese sind es wert!

    • Liebe Angela,
      auch wenn Du jetzt in Bezug auf behaarte Männerbeine, die in weißen Tennissocken und womöglich Badelatschen stecken, polarisierst (schmunzel, schmunzel), so sehe ich es auch wie Du: wir Mädels machen uns viel zu viele unnötige „frauliche“ Gedanken, wie wir womöglich rüberkommen und auf andere wirken. Die meisten Jungs kennen das Problem überhaupt nicht und sind da sehr entspannt.

    • Ob das jetzt ein komplett weibliches Problem ist, weiß ich nicht – ich war ja noch nie ein Mann… 🙂
      Ich kenne dagegen auch Frauen, die das beneidenswerte Gen haben, dass es ihnen völlig egal ist, was Andere von ihnen halten oder über sie denken! Auch hier wäre der berühmte goldene Mittelweg wahrscheinlich am besten…

      • Hallo zusammen,
        echt super dass dieses Thema aufgegriffen wird. Da ich den Grossteil meines Lebens alleine unterwegs war, so auch beim regelmässigen spazieren, habe ich viele Erfahrungen diesbezüglich gemacht.
        Aus meiner männlichen Perspektive sind es überwiegend Frauen, von ich mich durch ihre Blicke bewertet und abgewertet fühle. Heute allerdings war es ein etwa gleichaltriger Mann, dessen Blick mich tief innen traf, eine Mischung aus Abwertung und Belustigung.
        Es kommt nicht von ungefähr; Wenn ich bessere Phasen hatte, sprich innerlich gefestigter war, trat das weniger auf. Man strahlt mehr Selbstvertrauen aus, und „lädt so weniger dazu ein“, dass andere ihre Negativität auf einem projezieren.
        Aktuell bin ich abgekämpft, gesundheitlich nicht instande zu arbeiten, beruflich perspektivlos, sozial isoliert, habe Schulden, einen miserablem Selbstwert und bin gesundheitlich angeschlagen – ergo eine willkommene Gelegenheit für viele, die ihren Frust gegen aussen absorbieren, auch wenn es mir besser als früher gelingt, meinen Minderwertigkeitsempfinden Grenzen zu setzen und so meine Ausstrahlung weniger offenbart.

        Diesbezüglich lohnt sich eine Auseinandersetzung mit dem Kiesler-Kreis, der die Interaktionen von Auftreten und der spezifischen Reaktion darauf erläutert.
        Offen freundlich gegenüber zutreten, ohne auf dieselbe Hautcrėme zu setzen wie Gabi das beschrieb (☺️😉), ist sicherlich erstrebenswert.
        und das „Wenn dich was bewegt, hast du was zu lösen“ dem Gegenüber zu überlassen.

        Ein Nebengedanke zu dem Thema;
        im Kontext zu der heute weitverbreiteten Schwarz-Weiss -Abhandlung „Böser Mann, gute Frau“ bei zwischengeschlechtlichen Themen ist mir folgendes durch den Kopf:
        Gewalt beginnt nicht erst bei einem physischen Übergriff, sondern schon bei psychischen Grenzüberschreitungen. Wie hier z.Bsp. diese abwertenden Blicke ohne ohne einen Beweggrund dafür zu haben.

        Ein kleiner Nebeninput dazu;
        In meiner Wahrnehmung gibt es genau soviele Frauen wie Männer, die eine ungesunde Aggressionsverarbeitung haben. Nur die Wahl der „Waffen“ unterscheidet sich, entsprechend den Stärken des jeweiligen Geschlechts, deutlich. Diese toxischen Blicken, eine Art „Psycho-Spielchen“, sind Aggressionen die sehr subtil daherkommen und daher auch leicht zu verleugnen sind. Die Physis spielt dabei keine Rolle, wohl aber andere Sensoren, die bei Frauen wohl deutlich feiner wahrnehmen und analysieren.

        In den Medien ist es salonfähig geworden, jedigliches kritische Beleuchten von Verhaltensweisen die eher Frauen betreffen, zu ignorieren oder mittels Shitstorm niederzuschreien. Auch bei heiklen Themen wie häuslicher Gewalt, wo nur die fast ausschliesslich durch Männer verübten Übergriffe bewertet und (natürlich zurecht) auch verurzeilt werden. Ich bin der Meinung, dass dabei untergeht, dass in diesen toxischen Beziehungen entstehenden Eskalationsspiralen Frauen häufig auch ihre Anteile haben, und dass es fatal ist für die Prävention und Sensibilisierung, diesen Aspekt zu verleugnen.
        Die Verlierer dabei sind alle.. Frauen, Männer, Mädchen und Jungs…

        • Lieber Flavio, vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine vielen klugen Gedanken zu diesem Thema. Du hast in vielen absolut Recht: Gewalt gibt es in vielfältiger Art, Ausführung und Intensität und man kann da im Groben auch sicherlich geschlechterspezifische Unterschiede festmachen, die es zu beobachten gibt. Und grundsätzlich hat jede Form von Gewalt ihre Konsequenzen und lässt Menschen zurück, die darauf – je nach Tagesform oder allgemeiner Verfassung – besser oder schlechter umgehen können.
          Ich wünsche Dir für Dein persönliches Wohlergehen auf jeden Fall nur das Allerbeste, dass sich Deine Situation wieder zum Guten kehrt und Du wieder mit viel mehr Mut und innerer Stärke in die Zukunft schauen kannst!

  3. Liebe Uta , ich liebe Deine Ehrlichkeit.

    „Es gibt nichts, was man einem Menschen beibringen kann. Man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.“

    Eine noch so kleine – vielleicht – für einen selbst unbedeutende Aktion , kann das Leben des Anderen verändern. Laßt uns Superhelden bleiben und weiter an das Gute glauben. Das was man ausstrahl bekommt man auch zurück.

    • Lieber Holger,
      oh wow – von wem stammt denn dieser tolle Satz: „Es gibt nichts, was man einem Menschen beibringen kann. Man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.“ ???
      Der ist echt klasse – den muss ich mir merken!!!!!!

Schreibe einen Kommentar zu Holger Antwort abbrechen

Pflichtfelder sind mit * markiert.